Wer sein Geld nachhaltig anlegen möchte, greift in Europa zunehmend zu sogenannten grünen Fonds – doch eine neue Untersuchung wirft ernsthafte Fragen auf, ob diese Produkte tatsächlich halten, was sie versprechen. Die Studie zeigt, dass europäische Nachhaltigkeitsfonds trotz verschärfter regulatorischer Vorgaben in weiten Teilen dieselben Unternehmen im Portfolio halten wie konventionelle Fonds. Wer also glaubt, mit einem als grün gekennzeichneten Produkt grundlegend andere Investitionsentscheidungen zu treffen, liegt in den meisten Fällen falsch. Die Portfolios sind nahezu deckungsgleich – ein Befund, der viele Anlegerinnen und Anleger überraschen dürfte und das Vertrauen in die gesamte Produktkategorie nachhaltig erschüttern könnte. Denn der Wunsch, mit dem eigenen Kapital einen positiven Beitrag zu leisten, ist bei vielen Sparerinnen und Sparern aufrichtig – und verdient mehr als eine oberflächliche grüne Verpackung.
Eine Ausnahme bildet die Energiebranche: Hier lassen sich tatsächlich erkennbare Unterschiede zwischen grünen und traditionellen Fonds feststellen. Nachhaltigkeitsfonds meiden fossile Energieträger stärker und setzen häufiger auf erneuerbare Alternativen wie Wind- oder Solarenergie. Doch dieser Unterschied bleibt eine Insel in einem ansonsten weitgehend uniformen Anlageuniversum. In allen anderen Sektoren – von Technologie über Gesundheit bis hin zu Konsumgütern und Finanzdienstleistungen – gleichen sich die Portfolios so stark, dass eine klare Trennlinie zwischen nachhaltig und konventionell kaum zu ziehen ist. Unternehmen, die in puncto Umwelt- oder Sozialstandards höchst unterschiedlich aufgestellt sind, landen gleichermaßen in beiden Fondstypen – was die Aussagekraft der Nachhaltigkeitskennzeichnung erheblich in Zweifel zieht.
Dabei war das europäische Regelwerk für nachhaltige Geldanlagen, das seit 2021 gilt, mit einem klaren Anspruch gestartet. Es sollte Sparern helfen, echte grüne Alternativen zu identifizieren, und Kapital gezielt in Aktivitäten lenken, die Klima, Umwelt und Menschenrechte weniger belasten. Die eingeführten Kategorien sollten Orientierung geben und den Markt spürbar in Richtung nachhaltiger Investments verschieben. Doch wenn grüne und konventionelle Fonds am Ende in dieselben Unternehmen investieren, verfehlt dieses System seinen zentralen Zweck. Anleger zahlen dabei häufig höhere Gebühren für ein Produkt, das sich inhaltlich kaum vom Standard unterscheidet – ein Missverhältnis, das regulatorisch nicht länger hingenommen werden sollte. Die Glaubwürdigkeit des gesamten Rahmens steht auf dem Spiel.
Die Befunde legen nahe, dass strengere Definitionen und eine konsequentere Überprüfung der tatsächlichen Portfoliozusammensetzung notwendig sind, um dem Begriff „nachhaltig“ wieder echten Gehalt zu verleihen. Solange Fondsanbieter die Spielräume im Regelwerk nutzen können, um konventionelle Strategien unter einem grünen Label zu vermarkten, bleibt nachhaltiges Investieren für viele vor allem eines: ein Versprechen auf dem Papier. Vertrauen lässt sich nur zurückgewinnen, wenn Transparenz und Verbindlichkeit konsequent durchgesetzt werden – und wenn Anleger tatsächlich erkennen können, wohin ihr Geld fließt. Letztlich braucht es nicht nur bessere Regeln, sondern auch eine stärkere zivilgesellschaftliche Kontrolle und eine kritischere Öffentlichkeit, die Greenwashing beim Namen nennt und Fondsanbieter zur Rechenschaft zieht.









