Die europäische Finanzaufsicht European Securities and Markets Authority, besser bekannt unter der Abkürzung ESMA, hat ihren Marktbericht für das Jahr 2025 vorgelegt und darin einen bemerkenswerten Befund veröffentlicht. Demnach sind nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds im Durchschnitt günstiger als ihre konventionellen Pendants. Die Behörde hat zahlreiche Fonds und ETFs untersucht und festgestellt, dass Produkte mit Nachhaltigkeitsmerkmalen im Schnitt rund 0,05 Prozent niedrigere jährliche Kosten aufweisen. Das ist insofern interessant, als nachhaltige Strategien oft mit zusätzlichem Aufwand verbunden sind. Fondsmanager müssen Unternehmen intensiver prüfen, ESG-Daten auswerten und strengere Auswahlkriterien anwenden. Trotzdem gelingt es vielen Anbietern offenbar, diese zusätzlichen Arbeitsschritte effizient umzusetzen, ohne die Gebühren zu erhöhen. Für Anleger bedeutet das zunächst einmal eine positive Nachricht, denn Kosten gehören seit jeher zu den wichtigsten Faktoren für den langfristigen Anlageerfolg.
Besonders bemerkenswert ist diese Entwicklung vor dem Hintergrund der Kritik, die nachhaltige Geldanlagen in den vergangenen Jahren immer wieder begleitet hat. Skeptiker haben häufig argumentiert, dass ESG-Fonds teurer seien, weil sie umfangreiche Analysen und komplexe Nachhaltigkeitsbewertungen benötigen. Die Zahlen der ESMA zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Offenbar haben sich nachhaltige Produkte inzwischen so stark im Markt etabliert, dass Skaleneffekte greifen. Viele Fondsgesellschaften haben ihre Analyseprozesse standardisiert, greifen auf spezialisierte Datenanbieter zurück oder integrieren Nachhaltigkeitskriterien direkt in ihre bestehenden Investmentprozesse. Dadurch sinken die relativen Kosten. In einer Branche, in der ein paar Basispunkte Gebühren über Jahre hinweg einen erheblichen Unterschied machen können, sind selbst 0,05 Prozent weniger Kosten kein unbedeutender Faktor.
Neben den Kosten hat die ESMA auch die langfristige Wertentwicklung untersucht. Hier zeigt sich ein gemischtes Bild, das allerdings insgesamt ebenfalls zugunsten nachhaltiger Produkte ausfällt. Im Jahr 2024 haben grüne Fonds etwas schwächer abgeschnitten als klassische Vergleichsprodukte. Das lag unter anderem daran, dass bestimmte Branchen – etwa Energie oder traditionelle Industrieunternehmen – zeitweise besonders stark performten, während viele nachhaltige Fonds diese Sektoren untergewichten oder ganz meiden. Kurzfristige Marktbewegungen können daher die Ergebnisse von ESG-Strategien verzerren. Wer nur auf einzelne Jahre schaut, erhält schnell ein unvollständiges Bild. Genau deshalb betonen Aufseher und erfahrene Investoren seit Jahrzehnten, dass Kapitalmärkte vor allem über längere Zeiträume bewertet werden sollten.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet ergibt sich laut ESMA tatsächlich ein leichtes Plus für nachhaltige Fonds gegenüber konventionellen Strategien. Der Vorsprung ist zwar nicht groß, aber er widerspricht der häufig geäußerten Behauptung, nachhaltiges Investieren gehe grundsätzlich zulasten der Rendite. Vielmehr scheint sich ein Bild zu bestätigen, das viele Marktbeobachter schon länger vermuten: Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, guter Unternehmensführung und klaren Umweltstandards sind oft auch wirtschaftlich widerstandsfähiger. Für Anleger bedeutet das keine Garantie auf bessere Ergebnisse, aber zumindest ein solides Argument, Nachhaltigkeitsfonds nicht allein aus Kostengründen oder wegen angeblich schwächerer Renditen auszuschließen. In einem Markt, der immer stärker von Transparenz, Regulierung und langfristigem Denken geprägt ist, könnten nachhaltige Strategien damit eine zunehmend feste Rolle im Portfolio vieler Investoren einnehmen.









