Seit Donnerstag ringen Rat, Europäisches Parlament und EU-Kommission im ersten Trilog über die geplante Überarbeitung der europäischen Offenlegungsverordnung SFDR. Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen Voraussetzungen Fonds künftig mit Begriffen wie nachhaltig, Transition oder vergleichbaren Bezeichnungen werben dürfen. Bereits zum Auftakt der Gespräche hat der europäische Fondsverband Efama sechs konkrete Änderungsforderungen vorgelegt. Nach Ansicht des Verbands enthält der bisherige Reformansatz mehrere Punkte, die in der praktischen Umsetzung zu erheblichen Schwierigkeiten führen könnten. Besonders kritisch bewertet Efama die geplante Ausgestaltung einer neuen Transition-Kategorie, die eigentlich Produkte erfassen soll, die Unternehmen auf ihrem Weg zu nachhaltigeren Geschäftsmodellen finanzieren.
Die größte Sorge des Fondsverbands richtet sich gegen die Bedingungen, die das Europäische Parlament für diese Kategorie vorsieht. Sollten diese Vorgaben unverändert in die endgültige Verordnung übernommen werden, könnte es nach Einschätzung von Efama für Fondsmanager äußerst schwierig werden, überhaupt genügend geeignete Anlagen zu finden. Damit würde ausgerechnet jene Produktgruppe geschwächt, die Kapital gezielt in Unternehmen lenken soll, die sich noch nicht vollständig nachhaltig aufgestellt haben, aber glaubwürdig an ihrer Transformation arbeiten. Der Verband befürchtet deshalb, dass die vorgesehenen Anforderungen zu streng gefasst sind und den investierbaren Markt unnötig einengen könnten.
Efama fordert vor diesem Hintergrund, die Regeln so zu gestalten, dass sie einerseits hohe Anforderungen an Transparenz und Glaubwürdigkeit stellen, andererseits aber auch mit den tatsächlichen Gegebenheiten an den Kapitalmärkten vereinbar bleiben. Eine zu enge Definition könnte dazu führen, dass viele Fonds die neue Kategorie gar nicht nutzen, obwohl ihre Anlagestrategie grundsätzlich auf den Umbau emissionsintensiver oder bislang wenig nachhaltiger Geschäftsmodelle ausgerichtet ist. Damit würde die Reform ihr Ziel teilweise verfehlen: Anlegern mehr Orientierung zu geben und zugleich privates Kapital für die Transformation der europäischen Wirtschaft zu mobilisieren.
Die nun laufenden Trilogverhandlungen werden deshalb entscheidend dafür sein, wie streng die künftigen Regeln ausfallen und welche Fonds sich weiterhin als nachhaltig oder transformationsorientiert positionieren dürfen. Rat, Parlament und Kommission müssen einen Ausgleich zwischen Verbraucherschutz, klaren Produktstandards und praktikablen Investitionsmöglichkeiten finden. Für die Fondsbranche steht viel auf dem Spiel, denn neue Kategorien und Bezeichnungen beeinflussen nicht nur das Marketing, sondern auch Produktentwicklung, Portfoliostruktur und Vertrieb. Sollte sich die Parlamentslinie bei der Transition-Kategorie durchsetzen, könnte das Angebot entsprechender Fonds deutlich kleiner ausfallen als politisch beabsichtigt. Für Anleger dürfte zugleich wichtiger werden, anhand klarer Kriterien zu erkennen, welche Nachhaltigkeitsversprechen tatsächlich durch die jeweilige Anlagestrategie gedeckt sind. Genau deshalb drängt Efama auf Korrekturen, bevor die Reform endgültig beschlossen wird.









