/Deutsche kaufen immer mehr ETFs, Fonds und Aktien

Deutsche kaufen immer mehr ETFs, Fonds und Aktien

Über viele Jahrzehnte hinweg gehörte das Sparbuch für zahlreiche Menschen in Deutschland ganz selbstverständlich zur privaten Geldanlage. Sicherheit, Übersichtlichkeit und ein möglichst geringes Risiko standen dabei meist stärker im Vordergrund als hohe Erträge. Dieses Bild beginnt sich jedoch spürbar zu verändern. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass immer mehr Deutsche bereit sind, ihr Vermögen auch in Anlageformen zu investieren, deren Wert schwanken kann. Damit verschiebt sich die traditionelle Haltung zum Sparen zunehmend in Richtung einer breiteren und stärker kapitalmarktorientierten Vermögensanlage. Offenbar wächst zugleich das Bewusstsein dafür, dass langfristiger Vermögensaufbau heute andere Strategien verlangen kann als noch vor einigen Jahrzehnten.

Nach den Ergebnissen der Studie besitzen inzwischen 46 Prozent der befragten Deutschen Wertpapiere. Dazu zählen unter anderem Aktien, Anleihen, Investmentfonds und börsengehandelte Indexfonds, die sogenannten ETFs. Diese Produkte unterscheiden sich deutlich vom klassischen Sparbuch, weil sie mit höheren Risiken verbunden sein können. Gleichzeitig eröffnen sie Anlegern die Chance auf attraktivere Renditen, insbesondere über längere Zeiträume hinweg. Gerade in Phasen niedriger Sparzinsen suchen viele Menschen offenbar nach Alternativen, die bessere Möglichkeiten für den Vermögensaufbau bieten. Der Kapitalmarkt gewinnt dadurch für private Haushalte an Bedeutung.

Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit inzwischen eine bemerkenswert hohe Position ein. Unter den elf Ländern, die in der Untersuchung berücksichtigt wurden, erreicht die Bundesrepublik den dritten Platz. Lediglich in der Türkei und in der Schweiz ist der Anteil der Menschen, die in Wertpapiere investiert sind, noch größer. Das zeigt, dass sich das Anlageverhalten in Deutschland stärker verändert hat, als es das traditionelle Bild vom vorsichtigen Sparer vermuten lässt. Der Umgang mit Aktien, Fonds oder ETFs scheint für einen wachsenden Teil der Bevölkerung selbstverständlicher geworden zu sein.

Deutlich anders fällt das Ergebnis beispielsweise in den Niederlanden aus. Dort verfügen laut Studie nur 30 Prozent der Menschen über Wertpapiere. Damit liegt die Quote erheblich unter dem deutschen Wert. Die Zahlen machen insgesamt deutlich, dass sich die Einstellung zur Geldanlage in Europa von Land zu Land stark unterscheidet. Für Deutschland lässt sich jedoch ein klarer Trend erkennen: Das klassische Sparen verliert zwar nicht vollständig an Bedeutung, wird aber zunehmend durch renditeorientierte Anlageformen ergänzt. Viele Anleger setzen heute offenbar stärker auf eine Mischung aus Sicherheit, langfristigem Vermögensaufbau und den Chancen, die der Kapitalmarkt bietet. Damit wandelt sich ein lange vertrautes Bild: Aus dem reinen Sparer wird zunehmend ein Anleger, der verschiedene Möglichkeiten kombiniert und sein Geld bewusster verteilt.