Die Esma lässt beim Thema Greenwashing im Investmentsektor nicht locker, und ehrlich gesagt: Das war überfällig. Zu lange konnte man sich in Hochglanzbroschüren und Fondspräsentationen mit wohlklingenden Nachhaltigkeitsfloskeln schmücken, ohne wirklich sauber zu erklären, was dahintersteht. Mitte Januar hat die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde nun ein zweites Hinweispapier veröffentlicht, das nicht nur ein Fingerzeig ist, sondern streckenweise wie ein Leitfaden wirkt. Man merkt: Die Behörde will nicht mehr nur mahnen, sondern die Messlatte klar sichtbar hinlegen. Wer im Markt Vertrauen haben will, muss sich eben auch an nachvollziehbare Regeln halten – so wie früher im Wertpapiergeschäft der gute Name und das sauber geführte Buch etwas galten, bevor Marketing zum Ersatz für Substanz wurde.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Das erste Papier vom Juli 2025 nahm ESG-Auszeichnungen und -Siegel ins Visier. Das passt, denn Siegel sind schnell draufgeklebt und werden gern als Abkürzung für Glaubwürdigkeit genutzt, obwohl der Kunde selten versteht, wie streng die Kriterien wirklich sind. Das neue Papier verschiebt den Fokus nun auf die Kommunikation von ESG-Strategien – vor allem auf ESG-Integration und ESG-Ausschlüsse. Und das ist der richtige Punkt: Viele Anbieter reden über „Integration“, als wäre das automatisch eine tiefgreifende Veränderung des Investmentprozesses. Andere betonen „Ausschlüsse“, als reiche es, ein paar Branchen von der Liste zu streichen, um sich einen grünen Anstrich zu geben. Dabei ist die Frage doch simpel, fast altmodisch: Was genau macht ihr anders als ein klassischer Fonds ohne ESG-Anspruch – und wie wirkt sich das auf Auswahl, Gewichtung, Risiko und Rendite aus?
Die Esma startet deshalb mit vier grundlegenden Prinzipien, die Marktteilnehmer bei Nachhaltigkeitsaussagen beachten sollen. Aussagen müssen präzise sein („accurate“): keine schwammigen Versprechen, keine dehnbaren Begriffe ohne Kontext. Sie müssen zugänglich sein („accessible“): nicht versteckt im Kleingedruckten oder in technischen Anhängen, die nur Spezialisten lesen. Sie müssen belegbar sein („substantiated“): wer behauptet, etwas sei nachhaltig, soll zeigen können, nach welchen Daten, Kriterien und Prozessen diese Aussage zustande kommt. Und sie müssen aktuell sein („up to date“): nichts ist unseriöser als Nachhaltigkeitsversprechen, die auf veralteten Informationen beruhen oder die Realität im Portfolio längst nicht mehr abbilden. Das ist im Kern keine Revolution, sondern solide kaufmännische Sorgfalt – genau das, worauf man sich früher im Umgang mit Anlegern verlassen musste.
Wenn man diese vier Prinzipien ernst nimmt, wird schnell klar, was die Esma im Markt verändern will: weniger Schau, mehr Handwerk. ESG-Integration muss dann beschrieben werden wie ein echtes Verfahren: Welche Faktoren werden wann geprüft? Wie beeinflussen sie Kauf- und Verkaufsentscheidungen? Gibt es klare Verantwortlichkeiten, Kontrollen, Dokumentation? Und bei ESG-Ausschlüssen reicht es nicht, ein paar Schlagworte zu nennen; entscheidend ist, welche Schwellenwerte gelten, wie breit die Ausschlussliste ist, wie mit Grenzfällen umgegangen wird und welche Konsequenzen das für das Anlageuniversum hat. Unterm Strich sagt die Esma damit: Redet nicht wie Werber, redet wie Verwalter fremden Geldes. Und das ist eine Rückbesinnung auf etwas sehr Traditionelles: Vertrauen entsteht nicht durch Etiketten, sondern durch nachvollziehbare Praxis und saubere Rechenschaft.









