Seit Monaten ist klar, dass Fonds und ETFs in Europa strengere Maßstäbe erfüllen müssen, wenn sie sich mit großen Worten wie „ESG“, „Sustainable“ oder „Green“ schmücken wollen. Doch obwohl diese Regelung längst bekannt ist, ziehen viele Anbieter erst jetzt die Konsequenzen und verändern ihre Produktnamen. Man könnte meinen, in einer Branche, die sich gern als besonders fortschrittlich darstellt, wäre der Wille größer, Ordnung zu schaffen. Aber wie so oft zeigt sich: Erst wenn der Druck von außen groß genug ist, rührt sich etwas. Die alte Börsenwelt kannte solche Modebegriffe nicht, da zählte Handfestes – Substanz, Bilanz, Ertrag. Heute wirkt es manchmal, als habe sich mancher Anbieter zuerst ein grünes Etikett besorgt und erst viel später darüber nachgedacht, ob das Produkt diesem Anspruch überhaupt gerecht wird.
Seit dem 21. Mai gilt nun EU-weit die Vorgabe, dass nachhaltige Begriffe im Fondsnamen nur noch dann zulässig sind, wenn die Produkte bestimmte Mindeststandards erfüllen. Das klingt schlicht und einleuchtend, fast so, als hätte es nie anders sein dürfen. Sobald ein Fonds „ESG“ im Namen trägt, muss er eben auch zeigen, dass er echte Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Dazu gehört vor allem, dass fossile Geschäftsmodelle weitgehend ausgeschlossen werden. Früher, als der Finanzmarkt noch weniger von solchen Trendbewegungen überlagert war, hätte man so etwas wohl gesunden Menschenverstand genannt: Wenn ein Produkt behauptet, nachhaltig zu sein, dann sollte es nicht in Ölkonzerne investieren. Heute braucht es dafür Regularien – aber immerhin gibt es sie jetzt.
Eine zweite Bedingung der Richtlinie verlangt, dass mindestens 80 Prozent des verwalteten Vermögens gemäß dem Nachhaltigkeitsversprechen investiert werden. Das ist keine Kleinigkeit, denn viele Fonds hatten bisher nur einen Bruchteil ihrer Mittel in wirklich nachhaltige Anlagen gesteckt und den Rest breit gestreut, wie es früher üblich war. Jetzt zwingt die EU die Anbieter dazu, Farbe zu bekennen. Entweder sie stärken ihre nachhaltige Ausrichtung tatsächlich, oder sie verabschieden sich vom grünen Etikett. Für traditionsbewusste Investoren fühlt sich das fast wie eine Rückkehr zu alten Tugenden an: Ehrlichkeit im Produktnamen, Klarheit über die Anlagegrundsätze und ein offener Umgang mit Risiken und Chancen. Früher hätte man gesagt: Nenn die Dinge beim Namen, dann weiß jeder, woran er ist.
Doch trotz aller Regeln geht die Umsetzung schleppend voran. Dass nun, Monate später, noch immer zahlreiche Produkte hastig umbenannt werden, zeigt, wie wenig Bereitschaft bestand, frühzeitig aufzuräumen. Es wirkt fast so, als hätten manche Anbieter gehofft, das Thema werde sich von selbst erledigen. Dabei hätte ein vorausschauender, klassischer Ansatz – Konsistenz, Verlässlichkeit, klare Linie – vieles erleichtert. Jetzt aber müssen Investoren wachsam bleiben, denn die Namensänderung allein sagt noch nichts darüber aus, wie ernst ein Fondsanbieter Nachhaltigkeit tatsächlich nimmt. Und wie schon früher an der Börse gilt: Am Ende zählen die Taten, nicht die Etiketten.









